Wanderfriedenskerze: Aktion 2026
Verfolgt - weil sie Unrecht bekämpfen
In diesem Jahr stehen Einzelpersonen und zivilgesellschaftliche Organisationen im Mittelpunkt, die sich für Menschenrechte, Demokratie, Gerechtigkeit und ein gutes und friedliches Zusammenleben in ihren jeweiligen Gesellschaften engagieren – und dafür häufig verfolgt und bedroht oder getötet werden.
Ihr Beispiel kann uns dennoch ermutigen, aufzustehen, statt zu schweigen, wenn grundlegende individuelle oder soziale Menschenrechte, der Schutz unserer Mitwelt und die Demokratie gefährdet sind.
Die Gebetshilfe der diesjährigen Aktion zeigt unter anderem die US-Amerikanerin Renée Nicole Good, sowie eine der vielen Demonstrationen, die nach ihrer Ermordung in den USA stattfanden. Wie Renée Nicole Good verteidigen überall auf der Welt Menschen ihre bedrohten Mitmenschen und deren Rechte. Und weil diese mutigen Frauen und Männer ihre Stimme erheben, können wir hoffen.
Ein weiteres Beispiel ist die Iranerin Narges Mohammadi. Sie ist eine Journalistin, die ihr Leben dem Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen und dem Einsatz für Menschenrechte im Iran gewidmet hat. Die heute 54-Jährige erhielt im Jahr 2023 den Friedensnobelpreis, den sie nicht persönlich entgegennehmen konnte. Seit 1998 verbrachte die Mutter von zwei Kindern bis heute mehr als zehn Jahre wegen ihrer Menschenrechtsarbeit im Gefängnis. Nun wurde sie nochmals zu über sieben Jahren Haft verurteilt – u. a. wegen ihrer Berichte über sexuelle Nötigung von weiblichen Gefangenen.
Ein hohes persönliches Risiko gehen auch die rund 10.000 Mitglieder des zivilgesellschaftlichen Netzwerkes »Emergency Response Rooms« (ERR) im Sudan ein. Ihre Freiwilligen werden wegen ihrer humanitären Arbeit von den verschiedenen Gewaltakteuren im Sudan bedroht und in einigen Fällen auch getötet. Die ERR bilden ein Netzwerk von zahlreichen lokalen Gruppen in allen sudanesischen Provinzen und sind in diesem durch Krieg, Hunger und Vertreibung geprägten Land das Rückgrat der humanitären Nothilfe. Die Freiwilligen organisieren u.a. Hilfe zur Versorgung mit Lebensmitteln und medizinischer Unterstützung. Für ihr Engagement gewannen sie 2025 den Alternativen Friedensnobelpreis. Entstanden aus den nachbarschaftlichen zivilen Widerstandskomitees während der Revolution von 2019, spielt das zivilgesellschaftliche Netzwerk heute eine zentrale Rolle für den Neuaufbau. Es schenkt Hoffnung auf einen demokratischen und alle Bevölkerungsgruppen einbindenden Sudan nach Beendigung des Krieges.
Die vielen prominenten und unbekannten Frauen und Männer, die die Menschenrechte verteidigen, die Umwelt schützen, für Frieden, Gewerkschafts- und Frauenrechte und für Demokratie eintreten – ob in Belarus, der Türkei, dem Iran, in China, Myanmar, Saudi-Arbien, den USA, in Uganda, im Sudan, in Italien, Deutschland oder in Israel und Palästina – alle, die für ein gutes Leben für alle eintreten und deshalb bedroht, verfolgt, eingesperrt, gefoltert oder getötet werden, stehen in diesem Jahr im Zentrum der Ökumenischen Aktion Wanderfriedenskerze.
In Gottesdiensten, Friedensgebeten und Veranstaltungen wollen wir an die vielen Einzelpersonen und zivilgesellschaftlichen Organisationen erinnern, die verfolgt werden, weil sie Unrecht benennen und bekämpfen – überall auf der Welt. Ihr Beispiel soll uns ermutigen, aufzustehen, statt zu schweigen, wenn die Menschenrechte, der Schutz unserer Umwelt und die Demokratie gefährdet sind.


